BUND Rhein-Pfalz-Kreis

Gartenschläfer in Not

Europaweit gehen seine Bestände dramatisch zurück. Woran das liegen könnte, versucht der BUND zusammen mit der Justus Liebig Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft heraus zu finden.

Spurensuche Gartenschläfer

Gartenschläfer  (© Jiří Bohdal)

Haben Sie schon mal Gartenschläfer gesehen? Diese kleinen Nager mit der Zorro-Maske?

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus), eine nachtaktive Art mit ausgiebigen Winterschlaf, gehört zu der Familie der Bilche oder auch Schlafmäuse. Er ist mit dem Siebenschläfer verwandt. In den letzten Jahren ist er im Osten und Norden Deutschlands in kurzer Zeit verschwunden. In Rheinland-Pfalz ist die Population noch stabil. Warum dies so ist, wird im Rahmen des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“ untersucht, das vom BUND unterstützt wird.

Obwohl der Gartenschläfer eine heimische Tierart ist, gibt es zu ihm und dem dramatischen Rückgang seiner Bestände noch viele offene Fragen: Auf welche Lebensräume ist er angewiesen? Gibt es Krankheiten, die ihm zusetzen? Wie steht es um das Nahrungsangebot? Und vieles mehr. „Da wir die Tierart vor dem Aussterben bewahren wollen, müssen wir Antworten finden und ein wirkungsvolles Schutzkonzept entwickeln und umsetzen“, so Ines Leonhardt, die Projektleiterin vom BUND in Rheinlandpfalz. „Das ist ebenso Teil unserer Spurensuche.“

Im Rhein-Pfalz-Kreis konnten die Naturschützer des BUND inzwischen einige Nachweise zum Vorkommen des Gartenschläfers führen. Wenn auch Sie einen Gartenschläfer finden. Hier melden.

Jahresbericht 2020 aus Rheinlandpfalz

Gartenschläfer im Rhein-Pfalz-Kreis

Dormouse-Monitoring-System (DoMoS)  (© CW)

Nachdem bei der Nistkastenkontrolle im Rhein-Pfalz-Kreis immer wieder Gartenschläfer entdeckt wurden, gibt es nun auch ein gezieltes Erfassungssystem zur Erforschung des kleinen Kerls.

BUND-Mitarbeiter betreuen das sogenanntes "Dormouse-Monitoring-System" (DoMoS), das bei der Untersuchung des gefährdeten Gartenschläfers helfen soll. Prof. Thomas Haalboom von der Dualen Hochschule Karlsruhe betreut die Studienarbeit, für die von Student*innen ein Gerät entwickelt wurde, welches Beobachtungen erfasst. Das Gerät ist gar nicht so klein (100 cm x 45 cm x 35 cm) und wiegt ca. 12 kg. Es besteht aus zusammengesteckten Fallrohren, in denen eine ausgeklügelte Technik steckt. Erkunden die Gartenschläfer die Röhren, werden sie fotografiert, gewogen und ihnen werden ein paar Haare für die genetische Analyse ausgezupft. Am Ende warten getrocknete Pflaumen als Belohnung und natürlich wieder die Freiheit.

Am 9. Juni 2020 wurde das System DoMoS in einem Wald im Rhein-Pfalz-Kreis installiert. Nachdem sich kein Erfolg einstellte, verlagerte man die Beobachtung am 14. Juni 2020 auf eine Streuobstwiese. Dort konnten bereits im Jahr zuvor mittels Spurentunnel Gartenschläfer nachgewiesen werden. Nach einem Monat konnte endlich ein neugierige Gartenschläfer im DoMoS fotografiert und gefilmt werden. Außerdem wurden zahlreiche Haarproben gesammelt. Bei den regelmäßigen Kontrollen konnten zudem drei Jungtiere beobachtet werden, wie sie von Nistkasten zu Nistkasten schlüpften.

Gartenschläfer im Nistkasten  (© WS)

Der Gartenschläfer nutzt für den Winterschlaf Verstecke in Baumhöhlen und Felsspalten, in Mauern, Gebäuden und Höhlen. In einigen Regionen werden Gartenschläfer während es Winters auch – anders als andere Schlafmäuse – in Vogelnistkästen angetroffen. Doch zumeist sind diese kein geeigneter Ort für den Winterschlaf, da hier die Temperaturen zu stark schwanken. „Helfen kann man dem Gartenschläfer und vielen anderen Winterschläfern, indem man für sie Rückzugsmöglichkeiten bereithält“, betont Ines Leonhardt. „Alte Obstbäume mit Baumhöhlen und Steinhaufen bieten den passenden Schutz vor Feinden und vor zu großer Kälte und Temperaturschwankungen.“ Oder Sie bauen im einen Nistkasten. Bauanleitung.

Achtung: Wenn Sie ein Gartenschläfer-Nest gefunden haben, berühren Sie es bitte nicht und belassen Sie es an Ort und Stelle. Gartenschläfer stehen als stark gefährdete Tierart unter besonderem Naturschutz. Jede Störung des Winterschlafs bedeutet ein erheblicher Energieaufwand für die Tiere, deren Reserven dann ggf. nicht mehr bis zum Frühling ausreichen werden.

Gartenschläfer gesehen?

 (© "Torsten Pröhl / www.fokus-natur.de")

Projektleiterin "Gartenschläfer"

Ines Leonhardt


E-Mail schreiben Mobil: 015154973278

Video: Soko Gartenschläfer Teil 1