Sie befinden sich hier:

NSG Neuhofener Altrhein – Stellungnahme zur Beschränkung der Fischereiwirtschaft


Die von der Oberen Naturschutzbehörde der Struktur – und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) vorgesehenen Beschränkungen der Fischereiwirtschaft im Bereich des Neuhofener Altrheins und des Altwassers unterstützen wir nachdrücklich. Folgende Anmerkungen haben wir:

  1. Wir sind nicht der Ansicht, dass der Besatz des Altrheins mit Fischen, eingeschränkt auf einheimische Arten, zulässig sein soll. Wir sind der Ansicht, dass auch hier die Fischhege nicht allgemein freigegeben, sondern nur unter Aufsicht der Fachbehörde erfolgen darf. Insbesondere vertreten wir die Ansicht, dass die Feststellung, ob ein Besatz sinnvoll oder zumindest unschädlich ist, nicht dem Naturnutzer, sondern der Fachaufsicht obliegen muss.

Sollten die beiden Gewässer (Altrhein und Altwasser) hydraulisch direkt verbunden sein (oder werden), lehnen wir einen Besatz für beide Gewässer ab.

Begründung: Der Eingriff in Ökosysteme ist behutsam vorzunehmen. Während ein Befischen (Angeln) in fischreichen, natürlichen Gewässern – sofern es ohne Störung des Lebensraums erfolgt, analog der Jagd - hingenommen werden kann, ist das Besetzen und spätere Angeln zweifelsohne eine auf Naturnutzung ausgerichtete Tätigkeit. Wir gehen davon aus, dass die Fischarten, die Anzahl der Fische und der Zeitpunkt eines Besatzes in einem Gebiet mit einem derart hohen Schutzstatus reglementiert werden muss.

Bei einer für Fische durchgängigen Verbindung zwischen Altrhein und Altwasser, ist das Aussprechen eines Besatzverbotes eingeschränkt auf das Altwasser naturschützerisch völlig zwecklos. Aus diesem Grund muss ein Verbot für das gesamte Gewässer (Altwasser und Altrhein) ausgesprochen werden.

Um hier keinen Zweifel über unsere grundsätzliche Einstellung aufkommen zu lassen, noch folgende Erklärung: Wir betonen, dass sich die zuvor genannten Ausführungen auf ein Gewässer mit dem vorliegenden Schutzstatus beziehen und nicht unsere generelle Ansicht zur Fischereiwirtschaft ist. Wir halten die Sportfischerei nicht für eine grundsätzlich einzuschränkende Betätigung, sondern beziehen unsere Ausführung ausdrücklich auf solche geschützten Gewässer, die eines Schutzgebiets-Managements bedürfen. Hier muss sich die Fischhege in den Gesamtplan einfügen und damit auch unterordnen, da die Fische ein äußerst wichtiger Bestandteil des Ökosystems sind. Dass im Einzelfall auch große Freiheit bezüglich des Besatzes (mit Ausnahme des Aussetzens ortsfremder Arten), möglich ist, stellen wir nicht infrage.

  1. Wir halten das Inkraftsetzen der von Ihnen vorgeschlagenen Änderungen der Schutzgebietsverordnung zum jetzigen Zeitpunkt nur für vertretbar, wenn unser Änderungs-Vorschlag gemäß Absatz 1 Bestandteil der Änderung wird. Ansonsten sind wir der Ansicht, dass die Maßnahmen nur als Anordnung zum Sofortvollzug bis zum Vorliegen eines Managementplans für das Gebiet erlassen werden kann.

Begründung: Vor kurzem kam es zu einem „Fischsterben“ im Altwasser. Dem damaligen Artikel aus der RHEINPFALZ entnehmen wir, dass offensichtlich der/die vor Ort Verantwortliche/n versuchen, mit Teilinformationen die Öffentlichkeit in eine bestimmte Meinungsrichtung bezüglich nun notwendiger Maßnahmen zu steuern. Auch werden aus unserer Sicht denkbare Gegenmaßnahmen gleichgesetzt mit angeblichen Ursachen des Fischsterbens. Wenn sich herausstellt, dass der Teil „Fischhege“ in einem erforderlichen Managementplan für das Gebiet anders lautet, als die jetzt vorgesehene Änderung, halten wir eine spätere Anpassung der Fischhegereglementierung für schwierig machbar.

Aus unserer Sicht sind Maßnahmen in einem Gebiet mit dem vorliegenden Schutzstatus ausschließlich auf Basis einer dezidierten, integrierten Planung mit Wirkungsbetrachtung machbar und zulässig. Es sind allesamt derart schwerwiegende Eingriffe in ein komplexes hochgeschütztes Ökosystem, dass sie aus unserer Sicht zweifelsohne dem UVPG einschließlich Öffentlichkeitsbeteiligung unterliegen (UVPG, Anhang 1, 13.18). Insbesondere sind wir darüber verunsichert, dass die eigentliche Ursache des Dilemmas (Überdüngung des Gewässers, sicher zu hoher Phosphatgehalt aufgrund dessen Akkumulationswirkung) überhaupt nicht thematisiert wird. Der Eintrag von Phosphor muss begrenzt werden, alles andere sind nur hilflose Versuche einer Symptombekämpfung. Das Umsetzen der WRRL ist hier gefragt!

Was uns im Moment völlig fehlt, ist eine Definition des Zielzustandes des Schutzgebietes. Wie man aufgrund der aktuellen Entwicklung sieht, ist der alleinige Schutz und das Erlassen von Verboten nicht ausreichend für eine langfristige Sicherung des Wertes des Gebietes. Es fehlte eindeutig ein Managementplan. Ohne Definition des Erhaltungsziels mit Definition von Eingriffstatbeständen ist ein Maßnahmenplan völlig sinnlos. Im Moment wird sehr auf den Zustand des Gewässers abgehoben. Tatsächlich handelt es sich in erster Linie um ein Gebiet, das wegen seiner ornithologischen Vielfalt geschützt ist. Aus diesem Grund ist eine integrative Abwägung von Maßnahmen erforderlich, die das Gewässer, den Eintrag von Stoffen ins Gewässer, Ufersäume und Umgebung sowie alle dort lebenden (geschützten) Tierarten mit betrachten. Aber bitte erst den Zielzustand definieren und dann die erforderlichen Maßnahmen planen.

(Doris Stubenrauch) (Dr. Rolf Götz)

1. Vorsitzende 2. Vorsitzender





Ihre Spende hilft.

Suche

Metanavigation: