BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland



Mitten im Herz des Vogelschutzgebietes (gelb) das geplante Hotel Scharau. Bild durchklicken vergrößern


Insel Scharrau mit Wasservögeln

Wir leben in einem der dichtbesiedelten Gebiete Deutschlands, dürfen uns Bürger einer Metropolregion nennen. Je weiter weg die Menschen leben, desto falscher ist ihr Bild von Ludwigshafen und Umgebung, denn es fällt allen zuerst der Chemiestandort, die Wirtschaftsmetropole, ein.

Aber: Wir haben auch in dieser Kernzone der Metropolregion sehr ruhige, naturnahe und naturschützerisch höchst wertvolle Flächen. Im Fall des Gebietes rund um den Silbersee in Bobenheim-Roxheim darf man sogar von einer überregionalen Bedeutung sprechen: Es ist Lebensraum für so streng geschützte Tierarten wie Eisvogel und Kammmolch, auch die so seltene Europäische Sumpfschildkröte lebt seit einigen Jahren wieder hier.

Als Rastplatz dient es vielen Vogelarten wie Schnatterente, Krickente,  Knäkente, Zwergtaucher, Schwarzhalstaucher, Zwergsäger, Silberreiher. Im Sommer brüten hier seltene Wasservögel, eine Vielzahl an Amphibien haben hier ihren Landlebensraum und Gewässer für das Laichen.

Bis ins "Herz" des Gebietes reicht der am 20.04.2018 rechtskräftig gewordene Bebauungsplan der Gemeinde, mit dessen Hilfe einem Investor nun ein Wellness- und Tagungshotel ermöglicht werden soll, anstelle des seit langem aufgelassenen Hofgutes Scharrau. "Vom Naturschutz-Juwel zur Kommerz-Insel?" haben wir über unsere Pressemitteilung geschrieben. Ideenreich ist es nicht, wertvolle Naturschutzflächen wirtschaftlich auszubeuten. Denn so viele große, zusammenhängende und abwechslungsreiche Naturschutzgebiete haben wir in der Metroploregion nicht. Wer dort investieren darf, dem gibt man die "Filetstücke" preis. Die Naturschutzverbände prüfen unterstützt von Anwälten, ob eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan aussichtsreich ist. Was ist unsere Pflege- und Aufwertungsarbeit im Landkreis wert, der Kauf und die Umwandlung vergleichsweise kleiner Flächen, wenn die Schmuckstücke des Naturschutzes durch kommerzialisierte Nutzungen abgewertet werden.

Wann begreift unsere lokale Politik, dass es bereits 12 Uhr im Naturschutz ist?

Wieso muss so oft die Natur und die noch unbesiedelte Landschaft herhalten, wenn die Wirtschaftsförderung oder Investoren eine Idee haben?

Wie laut müssen eigentlich die Glocken schlagen, dass Ihr merkt, dass das immer weiter in die Restnatur hineingeschlagene Wirtschaftswachstum uns allen am Ende einen wichtigen Teil des Lebenswerten nimmt?

Fast zeitgleich ist die Presse voll von Berichten über die Katastrophe, dass bei uns in Deutschland in 20 Jahren mehr als 75% der Insektenbiomasse und ebenso viele Vögel (Anzahl) verschwunden sind. Die Naturzerstörung ist viel weiter fortgeschritten, als viele Naturschützer dachten! Die Äcker sind zu naturschützerischen Wüsten gemacht, die letzten Rückzugsgebiete werden ausgebeutet, bis vielleicht ein angerufenes Gericht „Nein“ sagt.

Die Natura 2000-Gebiete sind in ihrem Wert zu erhalten, es besteht ein Gebot zur Verbesserung ihres Zustandes. Tagungshotel statt aufgelassenem Hofgut, Restaurantanlage statt Kiosk, Parkplatz statt Waldparkplatz – wer mag da von geringem Wertverlust für das FFH- und europäische Vogelschutzgebiet sprechen?

Pressemitteilung des BUND Landesverbands

 

 

Quelle: http://rhein-pfalz.bund-rlp.de/themen_projekte/stellungnahmen_pressemitteilungen/hotel_scharrau_am_silbersee_in_bobenheim_roxheim/