BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Pressemitteilung zum geplanten Hotelbau Scharrau am Silbersee in Bobenheim Roxheim

Wir leben in einem der dichtbesiedelten Gebiete Deutschlands, dürfen uns Bürger einer Metropolregion nennen. Je weiter weg die Menschen leben, desto falscher ist ihr Bild von Ludwigshafen und Umgebung, denn es fällt allen zuerst der Chemiestandort, die Wirtschaftsmetropole, ein.

Aber: Wir haben auch in dieser Kernzone der Metropolregion sehr ruhige, naturnahe und naturschützerisch höchst wertvolle Flächen. Im Fall des Gebietes rund um den Silbersee in Bobenheim-Roxheim darf man sogar von einer überregionalen Bedeutung sprechen: Es ist Lebensraum für so streng geschützte Tierarten wie Eisvogel und Kammmolch, auch die so seltene Europäische Sumpfschildkröte lebt seit einigen Jahren wieder hier. Der Silbersee und der angrenzende Altrhein sind wichtiger Rastplatz für Wasservögel beim Vogelzug.


Naturschutzflächen werden zum wirtschaftlichen Spekulationsobjekt

Wer nun denkt, die Gemeinde, auf deren Gebiet sich dieses durch europäischen Naturschutzstatus höchst geschützte Fläche befindet, würde diese entsprechend zu würdigen wissen, gar mit diesen Pfründen im Naturschutz wuchern (das heißt: ihren Wert mehren, wie es die europäische Gesetzgebung verlangt), der hat sich getäuscht:

Man opfert einen Teil der besonderen Wertigkeit den privatwirtschaftlichen Interessen Einzelner. Mitten (!) im Gebiet wird von der Gemeinde der baurechtliche Rahmen für eine mehrere 10 Millionen Euro schwere Investition eines Tagungshotels beschlossen, die laute Gegenrede von Naturschutzverbänden und einer Minderheit des Gemeinderats mit Hinweis auf das Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsprüfung vom Tisch gewischt.


Wir fragen:

Wir antworten für Euch:

Man schlägt die Schneisen in die Natur, weil

Es ist einfach der Weg des geringsten Widerstandes, auf dem man seine Ziele verfolgt: Es ist traurig und – für uns als Naturschützer – zum Verzweifeln. Mehr, mehr, mehr. Wie viel ist eigentlich genug?


Das leise Sterben

Fast zeitgleich mit dem Schreiben dieser Gegenrede ist die Presse voll von Berichten über die Katastrophe, dass bei uns in Deutschland in 20 Jahren mehr als 75% der Insektenbiomasse und ebenso viele Vögel (Anzahl) verschwunden sind. Die Naturzerstörung ist viel weiter fortgeschritten, als viele Naturschützer dachten! Die Äcker sind zu naturschützerischen Wüsten gemacht, die letzten Rückzugsgebiete werden ausgebeutet, bis vielleicht ein angerufenes Gericht „Nein“ sagt.

Wir wehren uns!

Das Silberseegebiet hat in unserem Landkreis einen so hohen Stellenwert für den Naturschutz, dass der BUND seiner Wertminderung nicht tatenlos zusieht. Wir haben versierten Umweltjuristen den Auftrag gegeben, die Klagemöglichkeiten des BUND herauszuarbeiten. Wir werden alle erfolgversprechenden Rechtsmittel ausschöpfen und wissen die anderen aktiven Naturschutzverbände hinter uns.


Die Natura 2000-Gebiete sind in ihrem Wert zu erhalten, es besteht ein Gebot zur Verbesserung ihres Zustandes. Tagungshotel statt aufgelassenem Hofgut, Restaurantanlage statt Kiosk, Parkplatz statt Waldparkplatz, Tretboote statt freier Wasserfläche – wer mag da von geringem Wertverlust für das FFH- und europäische Vogelschutzgebiet sprechen?

Quelle: http://rhein-pfalz.bund-rlp.de/themen_projekte/stellungnahmen_pressemitteilungen/hotel_scharrau_am_silbersee_in_bobenheim_roxheim/