BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Anlage eines Feuchtbiotops -Zur Nachahmung empfohlen-

1. Ausgangslage

Nach dem vorläufigen Abschluß der Bebauung lag eine Fläche von etwa 280m Länge und 80 bis lOOm Breite brach. Sie wurde im Norden durch eine Pappeireihe begrenzt, im Süden durch einen Entwässerungsgraben und im Westen von einer Trockenwiese. Dieses Gelände wurde nun von der Gemeinde Neuhofen gepachtet und - wie der Plan zeigt - in zwei größere Teichabschnitte, Überflutungsgebiete zum Graben hin sowie mehrere Flachuferzonengebiete modelliert.

2. Ökologische Zielsetzung

Die vorherrschende artenarme Vegetation (Glatthaferwiese) sollte durch natürliche Sukzession erweitert werden. Durch die Geländevertiefung mit semipermanenter Wasserführung sollte die Strukturvielfalt des Geländes sowie das Angebot an ökologischen Nischen erhöht werden. Durch die Anbindung des Grabensystems, das in ein nahegelegenes Feuchtgebiet führt, war die Biotopvernetzung garantiert.

3. Das Gelände als Modell

Das neuangelegte Biotop sollte zwar für Interessierte offen einsehbar sein, aber dennoch gegen unerwünschte Eindringlinge wie Menschen, Hunde und Katzen geschützt werden. Daher sollte der vorhandene Wassergraben zurückgeführt werden, so daß sich eine Insel bildete.

4. Resumee

1985 wurde das Biotop angelegt und schon 2 Jahre später gab es erste Erfolge zu verzeichnen. So wurde die Artenvielfalt in Fauna und Flora wesentlich erweitert. Es siedelte sich zum Beispiel die Wasserfeder (Hottonia palustris) an, die es vorher bei uns nicht mehr gab. Als besonderen Erfolg konnten wird die Tatsache bewerten, daß wir nach 2 Jahren schon 3 Standorte auf unserer Gemarkung mit dieser Pflanze antreffen konnten. Für die Verbreitung waren wahrscheinlich Schwimmvögel verantwortlich. Die weiteste Entfernung betrug dabei immerhin 1,5km. Auf der Haibtrockenwiese, die zweimal im Jahr gemäht wird, kann man inzwischen auch Pflanzen finden, die man dort vorher vergeblich gesucht hatte, so verschiedene Nelkenarten wie die Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi), die Rote Nachtnelke (Silene dioica) und die Karthäusernelke (Dianthus carthusianorurn) oder Primelarten wie die Waldschlüsselblume (Primula elatior). Als Grund für die Ansiedlung dieser Pflanzen kommt nach unserer Meinung die Tatsache in Betracht, daß die nächsten Gärten nur 50 bis lOOm entfernt sind und einige Bürger ihren überschüssigen Pflanzenbedarf ins Biotop gesetzt haben. Das kann leider auch nicht verhindert werden.

Das gleiche Phänomen zeigt sich bei der Fauna, denn wir trafen im Biotop Tiere, die nicht in unsere Landschaft passen wie Schildkröten, Bergmolche und besondere Frosch- und Krötenarten. Besonders positive Auswirkungen hatte die Anlage des Biotope auf die Vogelwelt, denn viele Vögel, die vorher hier nicht vorkamen, sind jetzt heimisch geworden. Sie können im Biotop in Ruhe nisten und werden nicht vom Menschen gestört. Besonders aufgefallen sind uns dabei Baumfalken (Falco subbuteo),Schwaraspechte (Dryocopus martius), Grünspechte (Picus viridis), Buntspechte (Dendrocopus major), Nachtigallen (Luscinia megarhynchos), der Fitis (Phylloscopus trochilus), die Schwanzmeise (Aegithalos caudatus), der Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) und der Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus). Auch der Graureiher (Ardea cineren) besucht unser Biotop, nistet allerdings nicht dort.

Wichtig ist dabei, daß diese Vögel immer mehr auch in die Gärten kommen. Sie haben das Biotop als Ruhezone und können sich mit diesem Hintergrund an den Menschen annähern. Den Bürgern unserer Gemeinde gefällt das natürlich sehr. Sie verzichten nun immer mehr auf den Einsatz von Pestiziden im Garten, um den Vögeln nicht zu-schaden. Leider gibt es auch etwas negatives zu berichten. Einige Bürger, die nicht unmittelbar am Biotop wohnen, bezeichnen es weiterhin als UDrecklochif vor allem weil es zum Teil nicht gemäht wird. Sie gehen sogar soweit, dort ihre Gartenabfälle abzulegen, so daß wir gezwungen sind, das Biotop zu säubern.

5.Ausblick

Interessant wird die Weiterentwicklung des Biotops sein, vor allem, inwieweit sich die Vögel noch mehr an den Menschen gewöhnen. Die Zweifel, die vor der Realisierung des Projekts bestanden, haben sich als falsch erwiesen. Es ist weder zu klein noch wird es von Tieren gemieden. Immerhin haben wir schon 3 Nachtigallenbrutpaare. Das Anpflanzen von einheimischen standortgerechten Sträuchern, die jetzt nach 6 Jahren schon relativ groß sind, hat dazu geführt, daß viele Vögel das Biotop angenommen haben.

Wir empfehlen die Anlage eines solchen Feuchtbiotops allen Gemeinden.

Quelle: http://rhein-pfalz.bund-rlp.de/og_neuhofen/projekte_pflegeaktivitaeten/biotop/veroeffentlichung_anlage_eines_feuchtgebietes/