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Bericht: Modellprojekt zur Anlage eines Feuchtgebietes in Neuhofen (Landkreis Ludwigshafen)

1. Ökologische Zielsetzung

In der Vergangenheit wurden durch Bebauung auf der Neuhofener Gemarkungsfläche alle Feuchtbiotope mehr und mehr eingeschränkt. Nach dem vorläufigen Abschluß der Bebauung in der Umgebung liegt die Fläche brach und wird weder landwirtschaftlich noch anderweitig genutzt. Es bietet sich daher an, diese bisher ungenutzte Fläche in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Durch einige gezielte Gestaltungsmaßnahmen (z. B. Geländevertiefung mit semipermanenter Wasserführung) würde die Strukturvielfalt des Geländes und somit das Angebot an ökologischen Nischen erhöht, so daß einer Vielfalt von vor allem stark gefährdeten aquatischen und amphibischen Lebewesen (z. B. Amphibien und Wasserinsekten) ein Lebensraum geschaffen würde. Die z. Zt. vorherrschende artenarme Vegetation (Glatftiaferwiese) soll durch natürliche Sukzession erweitert werden. Durch die Nähe der Restbestände (Rehhütter Altrheinarm) kann mit einer raschen Vermehrung von Fauna und Flora gerechnet werden. Zu den angestrebten Zielen gehört ebenfalls die Schaffung von Ökoverbundsystemen in der Umgebung durch ähnliche Maßnahmen, d. h. eine Art Vernetzung der einzelnen Feuchtbiotope, in denen die verschiedenen Lebensräume bzw. Lebensgemeinschaften miteinander existieren können, wodurch das ökologische Gleichgewicht wesentlich stabilisiert werden würde.

2. Geländebeschreibung

Das Gebiet war bis zur Trockenlegung in Zusammenhang mit der Schaffung von Baugrund bzw. der Umleitung des Rehbachs ein Feuchtgebiet, in dem sich offene Wasserflächen und stark sumpfige Gebiete mit reichhaltiger Flora und Fauna abwechselten. Das heute zur Verfügung stehende Restgebiet ist etwa 280 meter lang (Nordost-Südwest) und im Durchschnitt 80 bis 120 meter breit (Südost-Nordwest). Die Begrenzung bildet im Süden und Osten ein ehemaliger Entwässerungsgraben(Erlengraben), in dem heute schon die meisten Pflanzenarten zu finden sind (breitblättriger Rohrkolben/Typha latifolia; ästiger Igelkolben/Sparganium erectrum; Bachschwertlilie/Iris pseudachorus; Binse/Juncus; Silberweide/Salix alba. Das nördliche Gebiet wird durch das ehemalige Rehbachbett begrenzt. Hier stehen heute etwa 30 bis 40 in hohe Silberpappeln/Popu Ins alba und Graupappeln/Populus canescens, die durch die Umleitung des Rehbachs sowie durch die Asphaltierung des Wanderweges durch die Allee und das Absinken des Grundwasserspiegels zum Teil schwer beschädigt sind. Sie sollen später durch Stiel-Eichen/Quercus robur ersetzt werden. Den westlichen Abschluß des Gebietes bildet eine Ortsumgehungsstraße, die das Gelände von den anliegenden, in der Hauptsache landwirtschaftlichen Gebieten trennt. Das neu zu schaffende Gebiet weist zwei verschiedene Geländeformen auf: Der östliche und wesentlich größere Teil (18° in lang/80 m breit) liegt maximal nur 50 cm über dem Wasserspiegel und bildet den Teil des Biotops, in dem später die Aushebungen stattfinden sollen. Zur Zeit ist er durch eine artenarme Glatihaferwiese charakterisiert (Erennessel/Urtica; echte Mädesüß/Filipendula ulmaria; Hoher Ampfer/Rumex hydrolapathum; Kohlkratzdistel/Cirsium a]eraceurn; duftende Süßdolde/Myrrhis odorata). Durch Bauschutt, den die Gemeinde deponierte, wurde der westliche Teil zu einer Trockenwiese umgestaltet. Hier haben sich trotz intensiven Mähens von Seiten der Gemeinde doch einige Arten von Wildpflanzen ansiedeln können: verschiedene Kleesorten; weiße Nachtnelke/Melandrium albuir; Berg-Storchschnabel/Geranium pyrenaicum; Tüpfel-Juhanniskraut/Hypericum perforatum; Margarite/Chrysanthemum leucanthemum; Strahlenlose Kamille/Matricaria inatricaroides; Zwerg-Iiolunder/Sambucus ebulus; Schlehe/Prunus spinosa; Weißdorn/Crataegus; Stiel-Eiche/Quercus robur und Pappeln/ Poulus alba. Diese zuletzt genannten Busch- und Baumarten werden bereits heute als Brutplatz von den verschiedenen Vogelarten genutzt (Nachtigall/Luscinia megarhynchos; Zaunkönig/Troglodytes troglodytes; Amsel/Turdus merula).

3. Das Gelände als Modell

Das neuangelegte Biotop sollte zwar für Interessierte offen einsehbar sein, aber dennoch geschützt werden gegen unerwünschte Eindringlinge (Menschen, Hunde, Katzen, etc.). Daher sollte der vorhandene Wassergraben (1) am Rehbachweg zurückgeführt werden, so daß sich eine Insel bildet. Er soll mindestens 1 m tief und 1,50 m breit sein. Vorgesehen ist der Aushub von zwei Tümpeln unterschiedlicher Größe und Tiefe. Die Gewässer sollten nach Möglichkeit einen stockwerkartigen Aufbau haben, d. h. flache und tiefe Stellen nebeneinander aufweisen, in den tiefsten Bereichen (Sicherheitszonen) ganzjährig Wasser führen und im Winter wegen der Wasserüberwinterung (z. B. von Amphibien, zum Teil Gras-, See- und Wasserfrosch, Moorfrosch, Kammolchmännchen sowie die Larven der Geburtshelferkröte) nicht völlig durchfrieren. Dies ist im allgemeinen bei einer Tiefe von 1,50 m gewährleistet. Beide Teiche sollten mit einem unterschiedlich breiten Graben verbunden werden. Die Ufergestaltung sollte eine möglichst langgezogene und vielgestaltige Uferlinie aufweisen wegen der damit verbundenen hohen Randlinienwirkung und der Vermehrung verschiedenartiger Habitate. Um dies zu erreichen, ist eine Gliederung des Grabens in zahlreiche Buchten am Besten geeignet. Zur Verhinderung einer Eutrophierung, bedingt durch eingeschwemmte Düngemittel, sollte das Teichsystem keine Direktverbindung zum Erlengraben haben. Der Aushub von max. 3.600 m ist geplant für die Errichtung eines Steilufers am östlichen Teil des Geländes und soll Nistmöglichkeit für Uferschwalbe und Eisvogel bieten. Den weitaus größeren Teil wird jedoch die Aufschüttung eines Aussichtswalls entlang des Rehbachweges in Anspruch nehmen. Der Hang soll mit dornigen Sträuchern wie Crataegus monogyna, Prunus spinosa, Rhamnus carthaticus und Rubus caesius bepflanzt werden, um vor Störungen von außen zu schützen. Übriggebliebenes Material soll auf der Trockenwiese untergebracht werden und zusammen mit Sträuchern und Bäumen die schon bestehende Busch- und Baumgruppe vergrößern sowie den dort brütenden Vögeln Nistmöglichkeiten und Sichtschutz bieten.

4. Bepflanzung

Um den Charakter einer landschaftstypischen Feuchtwiese nicht zu verändern, beschränkt sich die Pflanzenauswahl auf die einst das Oberrheingebiet prägende Sukzessionsstadien der Auenbereiche (s. Pflanzenplan). Eine Ausnahme bildet die Bepflanzung an der Umgehungsstraße. Hier soll durch die Baumarten Pflaume/Prunus domestica, Kirschpflaume/Prunus cerasifera und Vogelkirsche/Prunus avium u. a., die zu unterschiedlichen Zeiten zur Blüte kommen, unseren einheimischen Insekten (Bienen) ein breites Nahrungsangebot gesichert sein. Für die Entwicklung der Wasserpflanzen, aber auch für zahlreiches Getier, ist die Besonnung zumindest für einen größeren Teil des Tages sehr wichtig. Aus diesem Grund soll hauptsächlich an den Südufern der Teiche nur lichter Baumbestand (Ohr-Weide/Salix aurita; Korbweide/Salix viminalis, u. a.) angepflanzt werden. Im übrigen soll sich das Biotop für natürliche Sukzession selbst überlassen bleiben; nur durch veränderte Mähzeiten will man die Naturwiesen etwas steuern.

Die Gestaltungsarbeiten sollen im Winter und Frühjahr 1985/86 vom BUND vorgenommen werden. Der Betrag der Aushubarbeiten beläuft sich auf ca. DM 23.000,-; die Bepflanzung wird weitere DM 10.000,- kosten. Zur Finanzierung trägt die Gemeinde Neuhofen DM lo.000,- bei, der Rest wird von der Kreisverwaltung Ludwigshafen und vom BUND übernommen.

F. d. R.: gez. Ernst Weissmann(Mitglied des BUND, Verband Rheinland-Pfalz)

 

 



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